Blogger-Special & Kritik: Der kleine Tod

 Geschrieben am 29. März 2015 - 8:03 Uhr von Kino7.de

Am 09.April startet Josh Lawsons Kinofilm-Debut DER KLEINE TOD in den deutschen Kinos. Wir haben im Rahmen eines Blogger-Specials ein kleines Interview mit dem australischen Schauspieler, Drehbuchutor, und jetzt auch Regisseur, Lawson für Euch. Außerdem erfahrt Ihr hier, warum Ihr Euch den Film nicht entgehen lassen solltet.

Die französische Redewendung la petite mort (dt. „der kleine Tod“) steht für ORGASMUS, den zu erlangen das erklärte Ziel der fünf Mittdreißiger-Pärchen ist, die in einer mittelmäßigen Vorstadt ihren Mittelklasse-Traum leben. Doch diese scheinbar sehr gewöhnlichen Paare haben sehr ungewöhnliche Fantasien, deren Verwirklichung sie so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht den bedrohlichen Neuzugang in ihrer Nachbarschaft bemerken…

DER KLEINE TOD fackelt nicht lange und fällt direkt mit der Tür ins Haus: Fuß-Fetischist Paul (Josh Jawson) und seine attraktive Freundin Maeve (Bojana Novakovic) haben gerade eine kleine „Kissenschlacht“ hinter sich, als sie ihrem Freund von ihrer erotischen Fantasie erzählt: sie möchte einmal so richtig vergewaltigt werden. Die Reaktion des Zuschauers auf diesen Wunsch ist ähnlich der Pauls: Hab ich das gerade richtig verstanden? Genaugenommen hat Paul das nämlich nicht, doch leider geht der erste grandiose Witz durch die deutsche Übersetzung flöten, da Paul „rate“ statt „rape“ verstanden hat (zu deutsch: „bewerten“ statt „vergewaltigen“). Als man sich dann aber damit abfindet wird klar: DER KLEINE TOD ist keine weitere 08/15-Liebeskomödie aus der Traumfabrik … Nein, dieser Film könnte ein wenig anders werden. Und genau das bewahrheitet sich dann auch in den folgenden 96 Minuten.

5 Pärchen, 5 verschiedene Fetische. Nicht jeder ist so frivol wie die sexuelle Erregung durch eine Vergewaltigung, aber keine bietet minder Stoff für bitterböse Situationskomik und schwarzhumorige Dialoge. Dabei vertiefen sich die Protagonisten derart in ihre erotischen Gelüste, dass sie die wesentlichen Dinge vollkommen aus den Augen verlieren. Wenn man z.B den sexuellen Höhepunkt nur erlangen kann, während der Partner gerade einen Nervenzusammenbruch erleidet, wird der Grad zwischen Liebe und Schmerz verdammt schmal.

Obwohl der Film für den ein oder anderen zu „niedlich“ geraten sein soll, wurde ich regelmäßig durch die unbequem offene Behandlung der durchaus eigenwilligen Fantasien überrascht. Auch wenn es sich bei DER KLEINE TOD um EINE KOMÖDIE ÜBER SEX handelt, so lebt der Film doch in erster Linie von den Dialogen und verrückten Ideen, die die Protagonisten regelrecht im Minutentakt loslassen. Nackte Haut und verschwitzte Bettakrobatik stehen hier definitiv NICHT im Vordergrund, sind evtl. sogar Mangelware, aber das wäre auch lediglich Mittel zum Zweck.

Vor allem positiv zu erwähnen sind zweifelsohne die Leistungen sämtlicher Schauspieler. In unseren Gefilden eher unbekanntere Zeitgenossen, jedoch keineswegs untalentierter als ihre Aushängeschild-Blockbuster Kollegen aus Hollywood, kauft man Josh Lawson und seinem Cast jede einzelne Emotion ab. Und an Emotion hat DER KLEINE TOD eine ganze Wagenladung voll zu bieten: Freude, Trauer, Lust, Schmerz … und vor allem natürlich Liebe, reichen sich die Klinke in die Hand und stellen die Schauspieler vor eine wirkliche Herausforderung, die allerdings fehlerfrei gemeistert wird.

Fazit:
Lawsons Regiedebut ist in jeglicher Hinsicht eine echte Überraschung. Während man doch unbewusst eine locker-seichte Romantikkomödie erwartet, verrät der Filmtitel doch mehr über den Inhalt als man denken mag. Denn DER KLEINE TOD ist zwischen den kuriosen Beziehungsproblemen und spritzigen Situationskomiken verdammt makaber. Endlich weht frischer Wind durch das ausgelutschte RomCom-Genre mit den ewig vorhersehbaren Happy-Ends. Für mich bis jetzt die Komödie des Jahres.

 ★★★★★ 

Poster_Kino7.de

Meine geschätzten Blogger-Kollegen und ich haben die Möglichkeit erhalten, Josh Lawson, dem Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller von DER KLEINE TOD, ein paar Fragen zu stellen. Die Antworten wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Kino7.de:
You’re actor and writer for many years, The Little Death is your direction-debut of a full length movie. Did you taste blood and do you intend to direct frequently in the future?

Josh:
It felt very satisfying being in control of the story telling process. As an actor you really don’t have any power over the final product. As a writer, I feel like you have a little more, but the vision of the film is ultimately in the hands of the director. Writing and directing a film allowed me to very meticulously tell the story I wanted to tell. I hope it made people laugh and think and be moved. I hope that every story I tell elicits that sort of response. I would love to write and direct more if for no other reason than to experiment and play and push some boundaries and hopefully become a better and better story teller each time.

Kino7.de:
The Little Death is a very provoking masterpiece of black humor and nasty jokes. Is their any person in your kinship or circle of friends that inspired you to one or even more of the charakters in the movie?

Josh:
It’s true that some of the subject matter in the film doesn’t lend itself to humor, but I also defend the film by saying that I never make “jokes” about those sensitive subjects. That’s not to say that there isn’t comedy there – there is. I just didn’t make jokes about them, and that’s a big difference. I think that we have seen so many movies and tv shows now that it’s difficult to find a way to surprise us. So in order to feel like you’re doing original work you need to explore territory that may be a little scary or provocative for some people. I made sure that the motivations of the characters were coming from a place of love, so I hope that gave them a little more latitude to move within the sometimes treacherous subject matter.

As for the question of whether any friends inspired the characters – not really. I think I have a pretty dark sense of humor anyway, so most of my friends share that with me. But I also have a very classic sense of humor – I love the Marx Brothers and Abbot and Costello and Mel Brooks. My sense of humor lies somewhere in the middle.

Wie bereits erwähnt haben meine lieben Blogger-Freunde ebenfalls ein paar Fragen an Josh Lawson gestellt. Schaut Euch die Ergebnisse an: Filmtogo.net, Myofb.de, Filmfutter.com, Kinofilmer.de, Filmspleen.com und Wewantmedia.de

Tobi

 
FSK:
12
Genre:
Komödie
Länge:
96 Minuten
Dt Start:
09.April 2015
Verleih:
Weltkino
Land:
Australien
Mit: Bojana Novakovic, Josh Lawson, Damon Herriman

Trailer:

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