Der Trailer im Kino – Appetithappen so begehrt wie das Hauptgericht – Film | Kino7.de

Der Trailer im Kino – Appetithappen so begehrt wie das Hauptgericht

 Geschrieben am 19. Januar 2016 - 20:55 Uhr von Kino7.de

Was ein Restaurant dem Gast als „Gruß aus der Küche“ serviert, ist im Kino der Trailer. Ein Appetithappen. Er soll Lust machen auf einen kommenden Film. Die Bezeichnung stammt noch aus alten Kinozeiten. „Trailer“ heißt Nachläufer und früher liefen diese Ankündigungs-Filmchen tatsächlich als Dessert nach dem Hauptfilm. Doch soviel Geduld haben die Menschen heute nicht mehr. Als Königsdisziplin der Marketingabteilungen sind Trailer heute längst eine eigene cineastische Kunstgattung. Hochverdichtete Kurzfassungen der Filme, die sie bewerben.

Heute hat das Internet die Kinos als Primärquelle für Trailer abgelöst. Und die Menschen lieben hier die Trailer für Kinofilme. Zehn Milliarden Bewegtbild-Klicks gibt’s jährlich im Netz. An dritter Stelle hinter News und selbstgemachten User-Filmchen stehen Kino-Trailer. Aber noch immer entscheiden die Trailer stark über den Kino-Erfolg. Oft sind sie besser als der beworbene Film. Denn im Trailer ist auch noch der letzte Anwärter für die Goldene Himbeere ein Meisterwerk – so sind manche Trailer Meisterwerke der Täuschung. Das ist erst mal gut für den beworbenen Film. Kinobesucher möchten sich aber nicht gerne aufs Kreuz legen lassen. Deshalb gelten für gute Trailer ein paar Regeln:

Regel Nummer 1: Verrate genug, aber nicht zu viel

Nichts ist schlimmer als ein Trailer, der den ganzen Film vorwegnimmt. Wenn mit zwei Minuten Trailer schon alles gesagt war, ist der Film eine Produkt-Enttäuschung. Undenkbar, dass bei einem Whodunit-Krimi schon im Trailer der Mörder entlarvt wird. Der Trailer soll Raum für Neugier lassen und die Spannung für den Film anheizen. Als wegweisend galt etwa der Trailer zu „Matrix“. Er zeigte den Besuchern mit den visuellen Effekten schon cineastisches Neuland, auf das die Kinobesucher dann mit Recht gespannt waren. Der Trailer soll im Wesentlichen sagen, worum es in dem Film geht, das Ende oder auch entscheidende Erzählstränge aber mit einem dramatischen Cliffhanger offen lassen.

Regel Nummer 2: Sag dem Zuschauer, was ihn erwartet

Wer einen Klamaukfilm im Trailer verkauft, als sei es eine Arthaus-Produktion, darf sich über ein enttäuschtes Publikum nicht wundern. Der Trailer soll natürlich das richtige Zielpublikum ansprechen. Als Massenmedium funktioniert das nicht ohne Stereotype. Wer vermehrt Männer anspricht, zeigt Actionszenen. Gackernde Frauen im Beauty-Salon versprechen dagegen eher einen Kinoabend für ziemlich beste Freundinnen. Ein Trailer soll die Menschen nicht nur ins Kino locken. Er soll auch die aus einem Film fernhalten, für die er nicht gedacht ist. Denn schlechte Mundpropaganda von enttäuschten Besuchern macht sich schnell an der Kinokasse bemerkbar.

Kinosaal

Regel Nummer 3: Die Musik macht die Musik

Audio und Sound sind beim Film die Emotionsträger Nummer 1 – das gilt auch für den Trailer. Die Musik ist es, die die heitere, melancholische oder auch bedrohliche Stimmung einer Szene erzeugt. Oft benutzt man im Trailer nicht einmal die Filmmusik. Aber es gibt Klassiker, die immer wieder für große Gefühle sorgen. Carl Orffs Carmina Burana kenn auch Kinofans, die nie einen klassischen Konzertsaal von innen gesehen haben. Es gibt regelrechte Stars im Genre Trailer-Musik. John Beal hat in den letzten 40 Jahren die Musik für über 2000 Trailer komponiert, darunter die von „Titanic“, „Matrix“ oder der „Star Wars Saga“. Starke emotionale Bindungskraft hat auch ein Voice-over. Ein Sprecher, der die Geschichte erzählt, vermittelt Orientierung. Zahllose Trailer beginnen mit den Worten „In einer Welt…“ – und es wird nie langweilig.

Regel Nummer 4: Zeig den richtigen Szenen-Mix

Roland Emmerich ließ in seinem „Independence Day“ schon im Trailer die Welt dermaßen in Schutt und Asche legen, dass der Film dieses Action-Stakkato gar nicht mehr toppen konnte. So ein Trommelfeuer überfordert den Zuschauer nicht nur – es langweilt auch schnell. Das Auge will sich auch ausruhen können und wünscht sich einen Wechsel aus den stärksten Action-Szenen und ruhigen Momenten.

Regel Nummer 5: Den Filmtitel zum Schluss

Menschen können sich leider nur zwei Minuten lang einen Filmtitel merken. Das hat mit der natürlichen Aufmerksamkeits-Spanne zu tun. Wer aus dem Kino kommt, kann zwar in aller Regel sagen, welchen Film er gesehen hat – aber sich an den Titel des Trailors erinnern? Keine Chance. Also, der Filmtitel gehört zur Sicherheit immer an den Schluss des Trailers.

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