Die peinlichsten Hochzeits-Rituale

Bei einem Blick auf die lange Liste peinlicher Hochzeits-Rituale, die ihnen dadurch immerhin vorerst erspart bleiben, könnten Tom und Violet es sich vielleicht auch ganz grundsätzlich noch einmal anders überlegen…
Junggesell(inn)en-Abschied
Als Symbol für den kurz bevorstehenden Übergang der bis dahin „freien“ Junggesellin/ des „freien“ Junggesellen in den harten, entbehrungsreichen Ehe-Alltag voller lästiger Pflichten – zu denen es beispielsweise gehört, künftig nie wieder stehend die heimische Toilette benutzen zu dürfen (Er) oder nie wieder heimlich neue Schuhe kaufen zu können (Sie) –, ist ein feuchtfröhlich-peinlicher „JGA“ heutzutage für viele der vielleicht schönste Tag im Leben vor dem schönsten Tag im Leben. Die Frage, warum man überhaupt heiratet, wenn einem die Einfahrt in den Hafen der Ehe so unangenehm erscheint, dass man sich vorher zumindest noch einmal grotesk kostümiert bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen muss, bleibt derweil unbeantwortet.
Autokorso
Den Weg vom Traualtar zur Lokalität der großen Feier legen Brautpaar und Gefolge gern in einem penetrant hupenden Autokorso mit Umweg durch die Innenstadt zurück. Auf diese Weise erfährt die Masse freudig winkender, von der Lärm-Kolonne keineswegs genervter Passanten, dass sich hier und heute also zwei Glückliche das Ja-Wort gegeben haben. Für zusätzliche feierliche Sound-Effekte sorgen an die Autos gebundene leere Blechdosen, die in der heutigen Zeit neben bösen Geistern wohl zunehmend auch die überhöhten Spritpreise vertreiben sollen.
Baumstamm durchsägen
Der holzgewordene Albtraum jedes handwerklich unbegabten Brautpaares ist der traditionsreiche Brauch des Baumstamm-Durchsägens. Sobald im Verlauf des Hochzeitstages plötzlich ein auffällig unauffällig stehengelassener Sägebock auftaucht, bleiben den Frischvermählten meist nur wenige Sekunden, um glaubhaft eine ernste Handgelenksverletzung vorzutäuschen (oder sie sich noch kurzfristig zuzuziehen), bevor es ans Eingemachte geht: Wie in Zeitlupe vergehen dann die Minuten, die sich Braut und Bräutigam unter hämischem Beifall schwitzend mit der extrastumpfen Schrotsäge bei dem Versuch abmühen, den ihnen vorgesetzten Baumstamm möglichst zieh-harmonisch zu zerteilen und so ihre Fähigkeit zu demonstrieren, künftige Probleme gemeinsam zu bewältigen. Während des Sägens eventuell zugezogene Verletzungen sollten, sofern nicht akut lebensbedrohlich, mit einem Lächeln überspielt werden, um der Hochzeitsgesellschaft den Spaß nicht zu verderben.
Hochzeitsherz ausschneiden
…und wenn du glaubst, kitschiger geht’s nicht mehr, kommt von irgendwo die Delegation mit dem auszuschneidenden Hochzeitsherz her!
Immerhin weit weniger schweißtreibend als das Baumstamm-Sägen, aber dafür umso mehr vor erzwungener Romantik triefend, gestaltet sich die eher neumodische Tradition des Herz-Ausschneidens. Zunächst wird das auf ein Bettlaken aufgemalte Hochzeitsherz vom Brautpaar gemeinsam mit einer großen Schere ausgeschnitten. Anschließend trägt der Bräutigam die Angetraute durch die im Duett geschnippelte Herz-Silhouette sozusagen in den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt hinein. Beachtet werden sollte, dass dieses zuckersüße Ritual unter Umständen mehr Pickel verursacht als das nachfolgende Verspeisen mehrerer Stücken Schokoladen-Torte. Dann also vielleicht doch lieber sägen?…

Waden-/ Knöchel-Ertasten
Auch viele beliebte Hochzeitsspiele verfügen über enormes Peinlichkeits-Potenzial. Auf einem der vorderen Plätze rangiert dabei auf jeden Fall das Waden-Raten (für die Braut) bzw. Knöchel-Raten (für den Bräutigam). Ziel des Spiels: Die Brautleute müssen jeweils tastend erforschen, welche der dargebotenen 10 Männerwaden- bzw.
Damenknöchelpaare „die richtigen“ sind. Dass der Spaßfaktor umso größer ausfällt, je mehr Damenwaden bzw. Herrenknöchel sich „überraschend“ in die angetasteten Gruppen mischen, versteht sich von selbst. Stimmungstechnisch gegenteilig wirkt es sich allerdings aus, wenn die Braut komischerweise erfühlt, dass zum Beispiel Wadenpaar Nr. 8 auf jeden Fall zu „Udo“ gehört, oder wenn der Bräutigam nicht an der Braut befindliche Damenbeine dennoch namentlich korrekt zuordnen kann („Brigitte!?“) bzw. gar die ein oder andere Männer-Wade erkennt. Derartig verräterisches Wissen kann dann schnell allzu heikle Fragen aufwerfen – inklusive ausrastendem Braut-Vater, der laut ein entrüstetes „Hab ich’s doch gewusst!“ zum Besten gibt und damit die Festgemeinde sogleich unisono verstummen lässt.
Brautstrauß-Wurf
Als abendliches Highlight für jeden anwesenden Videofilmer fungiert das obligatorische Ritual des Strauß-Wurfs der Braut. Dazu stellt diese sich rücklings vor die versammelte Schar der noch immer unverheirateten, daher besonders hochhackig besohlten, auf idealerweise spiegelglattem Parkett antretenden und so im Endeffekt extrem sturzgefährdeten Frauen und wirft ihren Blumenstrauß hinter sich. Eine geradezu perfekte Grundkonstellation also für jedes Pannen-Video. Jene Junggesellin, welche den Strauß dank größtmöglicher (oder trotz komplett fehlender) Körperkontrolle fängt, soll dann (angeblich) als nächstes heiraten – die Verlässlichkeit dieser Prognose bewegt sich freilich irgendwo zwischen Wetterbericht und Astro-Hotline. Bräute, welche die Aufmerksamkeit der Hochzeitsgesellschaft gern die ganze Feier über ungeteilt für sich haben möchten oder aus irgendwelchen Gründen keiner der anwesenden Unverheirateten wirklich gönnen, demnächst den Mann ihrer Träume zu finden, platzieren sich vor dem Wurf geschickt in der Nähe eines möglichst schnell rotierenden Deckenventilators.
Fazit: Dass sich die Hochzeit von Tom und Violet noch etwas verzögert, hat wie gesehen also auch einige unbestreitbare Vorteile…










